Eine derzeitige technische Zeichnung enthält achsparallele Körperansichten eines Werkstücks. Es werden so viele Ansichten gezeichnet, wie für das eindeutige Verstehen notwendig sind. Wie alles im technischen Bereich ist die Ansichtendarstellung auch genormt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu erklären, wie das Prinzip der Ansichten funktioniert. Wird ein von einer Projektionsfläche etwas entfernter Körper mit parallelem Licht beleuchtet, ergibt sich auf der Projektionsfläche ein Abbild der sichtbaren Kanten, die auf eine Ebene reduziert sind – ein „Schattenbild“. Diese Linien sind die sichtbaren Körperkanten und werden mit einer breiten Volllinie gezeichnet. Eine Tiefe des Körpers ist durch das parallele Licht nicht sichtbar. In der Abbildung werden aus den Ecken des Körpers Punkte. Aus den Kanten werden in der Abbildung „Linien“. Je nach der realen Form der Körperkante können diese gerade oder gekrümmt sein. Durch die parallele Lichtprojektion erhalten wir eine größengleiche Abbildung. Innenliegende Körperkanten, z. B. durch Bohrungen, sind teilweise sehr wichtig. Gedanklich röntgen wird das Werkstück. Weil die Kanten nicht sichtbar sind, werden sie zur Unterscheidung zu den sichtbaren Kanten als gestrichelte Linien mit einer mittleren Dicke dargestellt.

 

Weil durch eine Parallelprojektion eine Tiefe und Gegebenheiten an den Körperseiten nicht zu erkennen sind, werden verschiedene Seiten gezeichnet. Die notwendigen zusätzlichen Ansichten werden aber nicht einfach irgendwie auf das Blatt gezeichnet, sondern nach einer Klappvorschrift. Die weiteren Ansichten eines Körpers entstehen durch Umklappen um jeweils 90° und die erneute Parallelprojektion des Körpers auf der Projektionsfläche. Die zusammengehörenden Bildpunkte der Kanten liegen bei den Ansichten auf einer Ebene, weil der Körper nur geklappt und nicht verschoben wird. Um die Ansichten gut voneinander zu unterscheiden, werden die Ansichten mit einem Abstand zur Hauptansicht dargestellt.

 

 

Diese „Klapp-Parallelprojektion“ wird als Projektionsmethode I bezeichnet. Die Lage der Ansichten zur Hauptansicht – meist auch die Vorderansicht – entscheidet über deren Benennung. So wird die Draufsicht unter der Vorderansicht gezeichnet, weil der Körper um 90° nach unten geklappt wird. Die Seitenansicht links wird, weil der Körper nach rechts geklappt wird, rechts dargestellt. In der Regel ist die Vorderansicht die aussagekräftigste Ansicht oder die Fertigungs- oder Gebrauchslage des Werkstücks. Die Projektionsmethode wird sowohl bei technischen Zeichnungen als auch bei technischen Skizzen verwendet. Wie die Nummer I schon andeutet, gibt es noch weitere Projektionsmethoden, die im Moment für Sie aber keine Bedeutung haben.

Der Hebel hat eine Bohrung für die Verbindung mit dem Bauteil „Winkel“. Hier wird in einer technischen Skizze und technischen Zeichnung nicht einfach ein Kreis eingezeichnet, sondern die zwei Mittellinien, um die Position der Bohrung genau festzulegen. Vorstellen können Sie sich das wie die Mittellinie beim Fußballfeld. Mit dieser Mittellinie wird angegeben, wo sich die genaue Mitte befindet. Bei einem Kreis gibt es nicht wie im Fußballfeld eine Mittellinie, sondern zwei, die sich im Zentrum des Kreises, dem Mittelpunkt schneiden. Die Form der Mittellinie bei einer technischen Skizze oder technischen Zeichnung ist eine schmale Strichpunktlinie.

Zuletzt geändert: Montag, 31. Januar 2022, 11:03
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