Zeitungsartikel
Deutsche Wirtschaft in Großbritannien fordert Reform der Ausbildung
Die deutsche Berufsausbildung, besonders das duale System, wird weltweit geschätzt, auch in Großbritannien. Dort findet die Berufsausbildung bisher fast nur in der Schule statt, die Theorie steht dabei im Vordergrund. Deutsche Unternehmen in Großbritannien benötigen dringend qualifizierte Fachkräfte und hoffen auf eine Reform (Neugestaltung) des britischen Ausbildungssystems nach dem deutschen Vorbild: Eine Kombination praktischer Arbeit im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule. Auf diese Weise soll eine umfassende Qualifikation ermöglicht werden. Auch die britische Regierung arbeitet an Reformen mit dem Ziel eines höheren Praxisanteils in der Berufsausbildung.
In Deutschland werden Ausbildungsberufe, wie zum Beispiel Berufe im Handwerk, hoch angesehen. In Großbritannien ist das nicht so. Junge Menschen wählen deshalb oft akademische Berufe (Studienberufe) wie Anwältin bzw. Anwalt und Ärztin bzw. Arzt . Die britische Regierung investiert zwar in Ausbildungsprogramme, doch mangelt (fehlt) es an einer festen Struktur der Ausbildung und an einer zuverlässigen Qualitätssicherung.
Das deutsche System setzt mit feststehenden Berufsbildern einen bundesweiten (deutschlandweiten) Standard. Für jeden Beruf stehen die zu lernenden Fähigkeiten und Fertigkeiten fest. In Großbritannien fehlen diese oftmals. Britische Handwerkerinnen und Handwerker lernen häufig erst im Job die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, ohne vorher eine Ausbildung zu machen.
Deutsche Firmen in Großbritannien haben deshalb begonnen, Elemente des deutschen Ausbildungssystems zu übernehmen und organisieren selbst die Berufsausbildung nach deutschem Vorbild. Auf diese Weise wollen sie die Qualität ihres Fachkräftenachwuchs sichern.