Bevor wir unser eigenes Computerspiel entwerfen können, müssen wir zunächst klären, was "Computerspiele" und was "Spieldesign" sind und worauf diese Begriffe aufbauen. 

1.1.1 - Was ist eigentlich ein Game?

Der Ursprung der Computerspiele geht zurück auf das Spiel im Allgemeinen. Die Spielwissenschaft, auch bekannt als Ludologie (von ludus, "Spiel", und -logia, "Studie", "Forschung"), ist die Wissenschaft, die sich mit den Spielen, dem Spielen und den Spielenden und den Kulturen, die sie umgibt, beschäftigt. Dieses Fachgebiet nutzt das kulturelle Erbe, die Soziologie und die Psychologie, um Aspekte der Gestaltung des Spiels, der Spielenden und der Rolle des Spiels in der Gesellschaft oder Kultur zu untersuchen.

Game Studies werden oft mit dem Studium von Computerspielen verwechselt, aber das ist nur ein Aspekt. Die Ludogly oder Spielforschung ist viel älter. Eines der Hauptwerke, welches oft im Zusammenhang mit der Spielforschung erwähnt wird, ist das Buch "Homo ludens" von Johan Huizinga, das 1939 veröffentlicht wurde und bis heute von Wissenschaftlern genutzt wird und damit Einfluss auf unser heutiges Bildungssysteme hat. 

Bevor die Videospiele aufkamen, war die Spielforschung hauptsächlich in der Völkerkunde verwurzelt. Mit der Entwicklung und Verbreitung von Videospielen hat sich die Spielwissenschaft jedoch methodisch diversifiziert und umfasst jetzt auch Ansätze aus der Soziologie, Psychologie und anderen Bereichen. 

"Game Design"-Ansätze, welche im Fokus dieses Kapitel stehen, sind eng mit der kreativen Praxis verbunden und analysieren Spielmechanik und Ästhetik, um die Entwicklung neuer Spiele zu unterstützen. Die "industriellen" und "ingenieurwissenschaftlichen" Ansätze schließlich beziehen sich eher auf Videospiele als auf Spiele im Allgemeinen und untersuchen Themen wie Computergrafik, künstliche Intelligenz und Vernetzung.

COMPUTERSPIEL DEFINITION:

Es kursieren einige Definition für diesen Kurs möchten wir gerne mit dieser Definition von Salem und Zimmermann aus dem Buch „Rules of Play“, erschienen im Jahr 2004,  Sie definieren auf Seite 80:

“A game is a system in which players engage in an artificial conflict, defined by rules, that results in a quantifiable outcome”  (Übersetzung: "Ein Spiel ist ein System, in dem die Spieler einen künstlichen, durch Regeln definierten Konflikt austragen, der zu einem quantifizierbaren Ergebnis führt")

Ich persönlich bevorzuge folgende Definition, weil sie unsere Aufgabe als Game Designer*innen besser beschreibt:

Die Gestaltung interaktiver, audiovisueller Erlebnisse.

Games beschreiben eine ganzheitliche Erfahrung. Egal ob wir Games designen oder programmieren möchten müssen wir uns drei Disziplinen genauer anschauen. Aus diesem Grund haben wir diesen Kurs in drei Themengebiete aufgeteilt. Game Design, Game Art und Game Play Programmierung, Siehe Abbildung 1. 

GAME DESIGN:  Die Rolle von Game Designer:innen umfasst, Konzipieren und Entwickeln der Spielmechaniken und -regeln, Definieren des Gameplays und der Interaktionen mit dem Spieler, Erstellen von Level-Designs und Szenarien, Überwachen und Anpassen der Spielbalance, Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam, um das gewünschte Spielerlebnis zu erreichen.  Game Designer:innen sollte ein tiefes Verständnis für Spielmechaniken, Level-Design, sowie für die Bedürfnisse und Erwartungen der  Spielenden haben. Sie müssen auch gut kommunizieren und kreativ denken können, um seine Ideen und Konzepte erfolgreich in die Tat umzusetzen. Um diesen Kurs so einfach wie möglich zu gestalten, haben wir visuelle Entwurfsmuster erstellt, die die Grundfunktionen eines bestimmten Spiels erklären. Diese Entwurfsmuster basieren auf der oben erwähnten Spielforschung und wurden von mir in stark vereinfachter Form visuell dargestellt. Wir hoffen, dass Ihr durch die visuelle Darstellung die grundlegenden Funktionen bestimmter Spielgenres sofort versteht und so in der Lage seid, diese leicht in Euer eigenes Game Design und später in eine Spiele-Engine Eurer Wahl zu übertragen. 

GAME ART: Game Art beschäftigt sich mit der visuellen Gestaltung von Spielen. Die beeinhaltet die Konzeption und Erstellung von Charakter- und Umgebungsdesigns, Animation von Charakteren und Objekten, Erstellung von Konzeptzeichnungen und Prototypen, Zusammenarbeit mit dem Design und Entwicklungsteam, um das gewünschte visuelle Aussehen des Spiels zu erreichen. Für 3D Spiele beinhaltet es auch Modellierung und Texturierung von 3D-Modellen aber in diesem Kurs beschäftigen wir uns ausschließlich mit 2D Games. Ein Game Artist sollte ein gutes Verständnis für Kunst, Design und Animation haben sowie eine Vielzahl an technischen Fähigkeiten besitzen, um seine Ideen in einem Spiel umzusetzen.

GAME PLAY PROGRAMMING: Ein Gameplay-Programmierer ist ein Softwareentwickler, der sich auf die Implementierung des Spielerlebnisses in Computerspielen spezialisiert hat. Dies beinhaltet die Programmierung der Spielmechaniken, der Interaktionen mit den Spielenden, der Interaktion Systeme für Charaktere und Feinde, sowie andere Aspekte, die das Spielerlebnis beeinflussen. Ein Gameplay-Programmierer muss ein tiefes Verständnis für Spielentwicklung, Programmierung und Mathematik haben. Er arbeitet eng mit anderen Mitgliedern des Entwicklungsteams, wie Game Designern und Grafikdesignern, zusammen, um ein reibungsloses und unterhaltsames Spielerlebnis zu gewährleisten.

Zuletzt geändert: Mittwoch, 1. Februar 2023, 16:16
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