2. Medizinische Diagnostik & Therapie bei Frakturen

2.3. Therapie einer Fraktur

Die Behandlung von Frakturen ist ein zentraler Bestandteil der Pflege, der ein tiefes Verständnis der grundlegenden Prinzipien erfordert. Diese Prinzipien sind Reposition, Retention und Rehabilitation, und sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Funktionalität und der Förderung der Heilung.

Das erste Prinzip, die Reposition (Einrichten), bezieht sich auf die Wiederherstellung der normalen anatomischen Position der gebrochenen Knochenfragmente. Eine korrekte Reposition ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Knochen während des Heilungsprozesses optimal zusammenwachsen. Dieser Prozess kann auf zwei Arten erfolgen: eine geschlossene und eine offene Reposition, die eine chirurgische Intervention erfordert.

Bei nicht-dislozierten Frakturen, bei denen die Knochenenden in ihrer ursprünglichen Position bleiben, kann oft eine konservative Behandlung mit Ruhigstellung ausreichen.

In Fällen von dislozierten Frakturen, bei denen die Knochenenden verschoben sind, wird zunächst eine geschlossen Reposition versucht, also durch manuellen Zug und Gegenzug von außen die Fraktur einzurichten. Gelingt die geschlossene Reposition nicht, ist eine operative Intervention, eine offene Reposition, notwendig, um die Knochenenden präzise zu positionieren und eine optimale Heilung zu gewährleisten. Die Reposition sollte so früh wie möglich erfolgen. Durch die korrekte Reposition können Schmerzen minimiert und Komplikationen wie Fehlstellungen oder Pseudarthrosen vermieden werden.

Das zweite Prinzip, die Retention (Fixation), bezieht sich auf die Stabilisierung der Fraktur, um eine korrekte Heilung sicherzustellen. Die Retention ist von großer Bedeutung, da sie verhindert, dass sich die Knochen während des Heilungsprozesses bewegen, was zu einer unzureichenden Heilung führen könnte.

Es gibt verschiedene Methoden der Retention, die Auswahl der geeigneten Fixationsmethode hängt von der Art und dem Ort der Fraktur ab. Pflegekräfte spielen eine wichtige Rolle bei der Überwachung der Stabilität der Fraktur und der Anpassung der Therapie, falls dies erforderlich ist. Regelmäßige Kontrollen sind notwendig, um sicherzustellen, dass die Fixation weiterhin effektiv ist und die Heilung optimal verläuft.

Zu konservativen Methoden der Retention zählen Hartverbände (Gips- oder Kunststoffverbände), Orthesen und Extensionen. Die Gips- und Kunststoffverbände stellen die Fraktur und in den meisten Fällen auch die beiden benachbarten Gelenke ruhig. Um Komplikationen durch einen Hartverband, wie z. B. Druckschäden oder Durchblutungsstörungen, vorzubeugen, wird dreimal täglich DMS-Kontrolle durchgeführt, also die Durchblutung, die Motorik und die Sensibilität kontrolliert. Orthesen werden aus festem Material, wie Metall und Kunststoff hergestellt. Durch eine Polsterung und Klettbänder ist es möglich, diese dem Körper anzupassen und das Gelenk in richtiger Position zu fixieren. Bei der Extension wird die Fraktur durch einen permanenten Zug auf das distale Frakturfragment ruhiggestellt. In örtlicher Betäubung wird ein Metallstift durch den Knochen gebohrt, an diesen wird ein Gewicht gehängt. Diese Art der Fixierung wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt, wenn eine Osteosynthese (Knochenzusammensetzung) nicht möglich ist.

Eine Fraktur kann außerdem operativ durch verschiedene Verfahren der Osteosynthese behandelt werden. Osteosynthese bezeichnet die chirurgische Methode zur Fixierung von Knochenbrüchen, wobei unterschiedliche Techniken und Materialien verwendet werden, um die Fraktur zu stabilisieren. Zu den häufigsten Verfahren gehören die Verwendung von Platten, Schrauben, Nägeln, Drähten oder externen Fixateuren. So wird z. B. bei Plattenosteosynthese die Fraktur mit einer Metallplatte stabilisiert und die Platte mit Schrauben in beiden Knochenfragmenten fixiert. Eine Fraktur von langen Röhrenknochen kann ein Marknagel, welcher in den Markraum eingeschlagen wird, fixieren. Bei Frakturen in Gelenkbereichen ist eine Implantation von Gelenkprothesen aus Metall möglich. Bei offenen Frakturen mit Weichteilverletzungen können externe Fixateure zum Einsatz kommen. Bei dieser Art der Osteosynthese ragen die Schrauben bzw. die Nägel, die in den Knochenfragmenten verankert sind, nach außen und sind durch spezielle Rohre außerhalb des Körpers miteinander verbunden.

Alle diese Methoden helfen dabei, die anatomische Ausrichtung der Knochen wiederherzustellen und die Beweglichkeit während des Heilungsprozesses zu kontrollieren, was letztendlich die Rückkehr zur vollen Funktionalität fördert.

Das dritte Prinzip, die Rehabilitation, umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Funktionalität des betroffenen Körperteils nach der Heilung der Fraktur wiederherzustellen.

Die Rehabilitation ist ein wichtiger Schritt im Heilungsprozess, da sie dazu beiträgt, die Beweglichkeit und Kraft des Patienten wiederherzustellen und dadurch

Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit vermieden werden können.

Physiotherapie spielt hierbei eine zentrale Rolle, da sie gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur und zur Verbesserung der Beweglichkeit anbietet. Die physiotherapeutische Behandlung beginnt kurz nach der Frakturversorgung, bereits im Krankenheus. Für Patienten, die in ihre häusliche Umgebung entlassen werden können, kann die physiotherapeutische Behandlung nach der Entlassung auch ambulant erfolgen.

Zusätzlich kann Ergotherapie die Patienten dabei unterstützen, ihren Alltag besser zu bewältigen und wieder in ihren gewohnten Lebensrhythmus zurückzukehren. Eine Schulung der Patienten über geeignete Übungen und Verhaltensweisen zur Förderung der Heilung ist ebenfalls von großer Bedeutung.

Diese und weitere rehabilitative Maßnahmen sind feste Bestandteile einer Anschlussheilbehandlung in einer Rehaklinik. Multimorbide ältere Patienten mit der Aussicht auf Behandlungserfolg können in dieser Phase in einer geriatrischen Rehaklinik versorgt werden. Wenn eine Pflege zuhause nicht möglich ist, können die Betroffenen auch in Kurzzeitpflege untergebracht werden, wobei hier der Schwerpunkt auf die pflegerische Versorgung gelegt wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Behandlung von Frakturen eine ganzheitliche Betrachtung erfordert, die die Prinzipien der Reposition, Retention und Rehabilitation berücksichtigt. Pflegekräfte nehmen in diesem Prozess eine entscheidende Rolle ein, indem sie die Patienten unterstützen, die Heilung fördern und die Rückkehr zur vollen Funktionalität ermöglichen. Durch eine sorgfältige Anwendung dieser Prinzipien kann die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert werden, und sie können schneller zu ihren gewohnten Aktivitäten zurückkehren.

 

Herausgeber: Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL), Heilbronner Straße 314, 70469 Stuttgart, Telefon 0711/21859-0, poststelle@zsl.kv.bwl.de
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: ZSL, Irmgard Mühlhuber, Ref. 24 "Digitalisierung, Medienbildung", Heilbronner Straße 314, 70469 Stuttgart, Telefon 0711/21859-240, digitalebildung@zsl.kv.bwl.de
Kontakt zum/r behördlichen Datenschutzbeauftragte/n: datenschutz@zsl.kv.bwl.de