4. Postoperative Pflege

4.3. Postoperative Pflegemaßnahmen

Die postoperativen Pflegemaßnahmen sind entscheidend für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Patienten. Bei neu aufgetretenen Unregelmäßigkeiten wie Veränderungen in den Vitalzeichen, Nachblutungen im Operationsgebiet oder unerwarteten Symptomen müssen die Pflegekräfte unverzüglich den diensthabenden Arzt oder den Operateur informieren und die Unregelmäßigkeiten ausführlich im Pflegebericht oder im Überwachungsprotokoll dokumentieren.

Die Überwachung erfolgt in Abständen, die von der Art der Operation abhängen und auf ärztlichen Anordnungen basieren. Zu den postoperativ zu überwachenden Parametern gehören:

  • Puls und Blutdruck: Die Kontrolle erfolgt regelmäßig, um mögliche Komplikationen wie Volumenmangel, Medikamentenüberdosierung oder Schmerzen frühzeitig zu erkennen und darauf reagieren zu können.

  • Körpertemperatur: Um direkt nach der Operation eine Unterkühlung oder eine beginnende Infektion zu erkennen (bei einem Temperaturanstieg über 38,5 °C), wird die Temperaturkontrolle in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Dabei ist zu beachten, dass ein Temperaturanstieg bis unter 38,5 °C in den ersten zwei Tagen nach der Operation auch auf ein Resorptionsfieber hindeuten kann.

  • Bewusstsein: Um mögliche Komplikationen wie einen Narkoseüberhang oder einen Apoplex frühzeitig zu erkennen, wird überprüft, ob der Patient ansprechbar ist. Die Kontrolle der Orientiertheit ist entscheidend, um ein postoperatives Durchgangssyndrom frühzeitig zu erfassen. Bei neurochirurgischen Eingriffen ist zudem die Überprüfung der Pupillenreaktionen von großer Bedeutung.

  • Atmung: Atemfrequenz, -tiefe und -rhythmus sind zu beobachten, ebenso die Freiheit der Atemwege sowie Veränderungen der Hautfarbe wie Zyanose und Blässe. Veränderungen bei diesen Parametern können auf Schmerzen oder einen postoperativen Narkosemittelüberhang hindeuten.

  • Urinausscheidung: Bei liegendem Dauerkatheter ist auf einen ungehinderten Abfluss zu achten. Patienten ohne Dauerkatheter sollten spätestens nach 8 Stunden Spontanurin lassen. Eine verminderte Urinausscheidung kann auf Hypovolämie hinweisen und bedarf weiterer Maßnahmen. Die Gefahr einer Überlaufblase ist postoperativ besonders erhöht, da die Miktion durch Atonie der Blase oder Verkrampfung des Harnröhrensphinkters gestört sein kann.

  • Postoperative Ernährung: Nach chirurgischen Eingriffen steigt die Aspirationsgefahr aufgrund der Bewusstseinseinschränkung durch die Narkose. Je nach Eingriff und Hausstandard variiert die Dauer der Nahrungskarenz und der Ablauf des Kostaufbaus. Bei Eingriffen ohne Öffnung des Bauchraumes kann der Patient mit dem Trinken beginnen, sobald er bei Bewusstsein ist, und in der Regel zwei Stunden später auch leichte Nahrung zu sich nehmen. Bei Eingriffen mit Öffnung der Bauchhöhle kann die Nahrungskarenz von 1 Tag bis zu mehreren Tagen dauern. 

  • Wundverband und Drainagen: Die Blutung im Operationsbereich ist die wichtigste Frühkomplikation. Bei einem leicht durchgebluteten Verband sollte der Umriss des durchgebluteten Bereichs mit einem Stift markiert und die Uhrzeit dokumentiert werden. Bei leichter Nachblutung kann eine Kompression mit einem Sandsack möglicherweise ausreichen. Bei weiterer Zunahme oder stark durchgeblutetem Verband sind Schockbekämpfung oder sogar eine Revision erforderlich. Eine Kontrolle der Drainagen, die mindestens zweimal pro Schicht stattfinden sollte, kann ebenfalls Hinweise auf Nachblutungen geben. Der erste Verbandwechsel wird vom Arzt durchgeführt und erfolgt – abhängig vom Eingriff – nicht vor dem 1. oder 2. postoperativen Tag. Die weiteren Intervalle hängen vom Verbandsmaterial, den Wundverhältnissen und der Art des Eingriffs ab.

  • Schmerzen: Die Lokalisation, Art und Intensität der Schmerzen sind anhand unterschiedlicher Assessments, je nach Alter und Verfassung des Patienten, zu erfragen. Beispielsweise kann bei einem Erwachsenen die numerische Ratingskala (NRS) eingesetzt werden.

  • Blutuntersuchung und weitere Kontrollen: Üblicherweise findet die Laborkontrolle am gleichen oder am nächsten Tag statt. Weitere Untersuchungen wie Röntgen, Sonografie, CT oder EKG sind je nach Eingriff notwendig und werden vom behandelnden Arzt angeordnet.

  • Mobilisation: Die Erstmobilisation erfolgt nach Rücksprache mit dem Arzt und hängt von der Operationsart sowie dem Zustand des Patienten ab. Vor der Mobilisation sollten die Vitalzeichen kontrolliert und der Patient mit ausreichend Schmerzmitteln versorgt werden.

  • Prophylaxen: Je nach Zustand des Patienten sind spezifische Prophylaxen durchzuführen. Die wichtigsten Prophylaxen in Verbindung mit der postoperativen Pflege sind die Thrombose- und Pneumonieprophylaxe.

Diese umfassenden Überwachungsmaßnahmen sind unerlässlich, um postoperative Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln sowie die Genesung des Patienten optimal zu unterstützen.

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