Das Prinzip der "Sharing Economy"
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Ein eigenes Auto
kaufen? Carsharing reicht vielleicht, vielleicht brauche ich nur eine Fahrgemeinschaft? Ein neues Outfit muss her? Sicher
gibt es auch beim Secound-Hand oder Flohmarkt etwas Passendes. Am
Wochenende wird endlich das Regal angeschraubt? In der
Online-Nachbarschaftsgruppe findet sich sicher jemand, der seine
Bohrmaschine verleiht.
Diese Beispiele wirken alltäglich – doch sie
werden häufig als Teil einer relativ neuen Entwicklung im Bereich des
Konsums genannt, mit der viele Hoffnungen verbunden sind. Es geht um die
sogenannte Sharing Economy (oft auch: "Shareconomy"). Der Begriff kann
übersetzt werden mit "Wirtschaft des Teilens". Dabei geht es um das
gegenseitige Bereitstellen von Gegenständen oder auch Räumen. Das allein
ist nicht neu, Bibliotheken zum Beispiel gibt es schließlich bereits
seit Jahrtausenden.
Das Prinzip lässt sich auf vieles übertragen, unter anderem auf Bohrmaschinen. Dieses Beispiel nennt die US-amerikanische Trendforscherin Rachel Botsman, eine bekannte Verfechterin der "Sharing Economy". Bohrmaschinen gibt es in sehr vielen Haushalten, doch sie kommen nur während eines Bruchteils ihrer gesamten Lebensdauer zum Einsatz. Dabei brauchen wir nicht den Bohrer, sondern das Loch in der Wand. Botsman meint, dass sich die Gesellschaft in einem Kulturwandel befindet, bei dem sich das Verhältnis der Menschen zu den Dingen radikal verändern wird. Der Besitz von neuen Produkten verliere an Bedeutung für sozialen Status und Alltagsleben, so Botsman. Nicht mehr das Eigentum an Dingen zähle, sondern der Zugang zu ihnen.
Was sind zentrale Merkmale der "Sharing Economy"?
In der Praxis wird eine große Vielfalt von Möglichkeiten der "Sharing Economy" zugerechnet. Gemeinsam ist ihnen, dass es um das Teilen und Weitergeben geht – in Abgrenzung zum exklusiven Besitzen. Manche Projekte sind kommerziell, andere nicht kommerziell; bei manchen Ideen geht es um die gemeinsame Nutzung, bei anderen um das Weitergeben gebrauchter Gegenstände an weitere Nutzer; es kann um materielle oder virtuelle Güter gehen bis hin zu Dienstleistungen, Wissen und Fähigkeiten – wie etwa bei der Reparatur kaputter Gegenstände. Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist, dass die praktische Abwicklung über Internetplattformen stattfindet. Ihre Funktionen ermöglichen, dass einzelne Personen in direkten Austausch treten können.
Wie kann ich Teil der "Sharing Economy" werden?
Die Möglichkeiten des Teilens, Leihens und Tauschens sind ungeheuer vielfältig. Viele Plattformen für Gebrauchtes lassen sich unkompliziert ausprobieren – sei es, um Dinge zu suchen oder um selbst etwas anzubieten. Das spart nicht nur Ressourcen im Vergleich zum Neukauf, sondern auch Geld. Zudem kann es viel Spaß machen. Nicht immer sind spezielle Apps und Internetplattformen nötig. Wer einen Gebrauchsgegenstand benötigt, kann die Gelegenheit auch nutzen, sich in der Nachbarschaft oder auf dem nächsten Flohmarkt umzuschauen. Das ist neben dem ökologischen auch ein sozialer Gewinn. Neben speziellen Plattformen bieten auch Nachbarschaftsgruppen in sozialen Netzwerken Möglichkeiten zum Leihen und Tauschen.