Buch zum Kurs
4. Postoperative Pflege
4.4. Wundverband durchführen
Ein professionell durchgeführter Verbandwechsel ist eine zentrale pflegerische Maßnahme zur Unterstützung der Wundheilung und zur Vermeidung von Infektionen. Damit der Vorgang sicher, hygienisch und patientenorientiert abläuft, wird er in drei Phasen unterteilt: Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Jeder Schritt dient einem bestimmten Ziel – zur Förderung der Heilung, zur Sicherheit der pflegenden Person sowie zur Zufriedenheit des zu pflegenden Menschen (zpM).
1. Vorbereitung
Zu Beginn erfolgt die Sichtung der Pflegedokumentation. Die Pflegekraft informiert sich über die Art und Lage der Wunde, ihr Aussehen, den bisherigen Verlauf der Wundtherapie sowie über mögliche Besonderheiten wie Drainagen oder Schmerzmittelverordnungen. Dies ermöglicht eine gezielte Planung und unterstützt ökonomisches Arbeiten, da alle benötigten Materialien und Maßnahmen im Vorfeld festgelegt werden können.
Beim Betreten des Zimmers klopft die Pflegekraft an, öffnet die Tür hygienisch mit dem Ellbogen und aktiviert die Anwesenheitstaste. Das ist ein Ausdruck von Höflichkeit, schützt die Privatsphäre und stellt sicher, dass bei einem Notfall schnell Hilfe geleistet werden kann.
Anschließend wird der zpM begrüßt. Die Pflegekraft stellt sich mit Namen und Funktion vor, erklärt den Ablauf des geplanten Verbandwechsels und holt das Einverständnis ein. Dieser Schritt schafft Orientierung und Vertrauen und erhöht die Akzeptanz der Maßnahme.
Falls Schmerzmittel verordnet wurden, sollten diese nun verabreicht werden. Eine schmerzarme Durchführung ist nicht nur für das körperliche Wohlbefinden, sondern auch für die emotionale Entlastung des zpM wichtig.
Bevor es zum eigentlichen Verbandwechsel kommt, muss die Arbeitsfläche vorbereitet werden. Mit Einmalhandschuhen wird die Fläche inklusive Rändern des Verbandswagens gründlich desinfiziert. Dadurch wird die Keimzahl reduziert und das Infektionsrisiko minimiert.
Hygienisches Desinfizieren der Hände vor dem Herrichten des Materials dient ebenfalls der Verhinderung von Keimübertragung. Danach werden alle benötigten Materialien bereitgelegt. Wichtig ist dabei die Kontrolle auf Sterilität, Haltbarkeit und Unversehrtheit der Verpackungen. Eine vollständige und saubere Vorbereitung ist entscheidend für den sterilen Ablauf und eine effektive Wundversorgung.
Vor Beginn der Maßnahme wird der zpM erneut informiert. Diese Wiederholung gibt zusätzliche Sicherheit und ermöglicht es, auf aktuelle Fragen oder Wünsche einzugehen.
Die Positionierung des zpM erfolgt so, dass er bequem liegt, das Wundgebiet entlastet wird und die Pflegekraft ergonomisch arbeiten kann. Dies schützt beide Seiten: die Pflegekraft vor Überlastung und den zpM vor unnötigen Schmerzen.
2. Durchführung
Der Verbandwechsel beginnt mit der Entfernung des alten Verbands. Hierzu zieht die Pflegekraft unsterile Handschuhe an und entfernt vorsichtig den alten Verband. Dabei beobachtet die Pflegekraft die Beschaffenheit des Verbandmaterials – zum Beispiel Farbe, Geruch oder Menge des Exsudats. Diese Beobachtungen sind wichtig für die Beurteilung des Wundverlaufs. Der gebrauchte Verband wird hygienisch im Handschuh entsorgt.
Es folgt eine erneute Händedesinfektion, bevor die Wundreinigung durchgeführt wird. Dabei wird ein geeignetes Antiseptikum verwendet, das aufgesprüht wird. Rückstände wie Blut oder Exsudat werden vorsichtig mit sterilen Tupfern entfernt, stets von innen nach außen. Auch hier ist hygienisches Desinfizieren der Hände zwischen den Arbeitsschritten zentral, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden.
Nach der Reinigung wird die Wunde beurteilt. Dazu zählen das Messen der Wunde, ggf. das Fotografieren und die Dokumentation. Auffälligkeiten oder Komplikationen werden sofort der Ärztin oder dem Arzt mitgeteilt, um rechtzeitig reagieren zu können.
Nun wird der neue (Pflaster-)Verband angelegt. Eine sterile Anlegetechnik ist dabei besonders wichtig. Bei Pflastern dürfen die Klebeflächen nicht direkt auf die Wunde gelangen, um Reizungen und Keimverschleppung zu vermeiden.
Nach dem Verbandwechsel erfolgt erneut eine Händedesinfektion. Dann wird der zpM bequem positioniert, das Bett auf Ausgangshöhe gebracht, der Sichtschutz entfernt und die Klingel in Reichweite gelegt. So wird das Wohlbefinden und die Sicherheit des Betroffenen gefördert.
Abschließend wird die Pflegeintervention mit dem zpM besprochen. Die Pflegekraft fragt nach, ob es noch Unsicherheiten oder Beschwerden gibt. So wird eine bedürfnisorientierte Versorgung sichergestellt.
3. Nachbereitung
Nach dem Verlassen des Zimmers – möglichst hygienisch, also mit dem Ellbogen die Tür öffnen – wird das verbrauchte Material fachgerecht entsorgt. Wiederverwendbares Material wird gemäß den Hygienerichtlinien aufbereitet und die Arbeitsfläche des Verbandswagens gründlich desinfiziert. Dies trägt zu ökonomischem und ökologischem Arbeiten bei. Eine abschließende Händedesinfektion gehört wie selbstverständlich dazu.
Die Maßnahme wird schließlich in der Pflegedokumentation festgehalten. Beobachtungen zur Wunde, durchgeführte Schritte und ggf. Hinweise auf Veränderungen oder Komplikationen werden sorgfältig dokumentiert. So sind Pflegequalität und Informationsfluss im Team sowie Nachweise zur rechtlichen Absicherung gewährleistet.