Buch zum Kurs

4. Postoperative Pflege

4.2. Schnittstellenkommunikation - das SBAR-Schema

In der Pflege ist eine klare und strukturierte Kommunikation besonders wichtig, vor allem in Situationen, in denen es schnell gehen muss oder Missverständnisse schwerwiegende Folgen haben können, wie zum Beispiel an wichtigen Schnittstellen (zwischen Rettungsdienst und Notaufnahme, Ambulanz und Station, Station und OP, OP und Aufwachraum, Station und Intensivstation, Station und Pflegeeinrichtung und andere mehr).

Genau dafür wurde das sogenannte SBAR-Schema entwickelt. Es ist ein standardisiertes Kommunikationsmodell, das die Verständigung zwischen Pflegekräften, Ärzt:innen und anderen Berufsgruppen erleichtert und verbessert.

Die Abkürzung SBAR steht für vier zentrale Schritte: Situation, Background (Hintergrund), Assessment (Einschätzung) und Recommendation (Empfehlung). Jeder dieser Schritte hilft dabei, Informationen gezielt, vollständig und nachvollziehbar weiterzugeben.

S – Situation

Am Anfang steht die Situation. In diesem Schritt wird kurz erklärt, um wen es geht und was aktuell das Problem ist. Dazu gehört die Vorstellung mit eigenem Namen, der Name des Patienten/ der Patientin, das Alter, die Station sowie die akute Situation.

Beispiel:
„Hier ist Anna Müller. Es geht um Herrn Meier, 76 Jahre alt, auf Station 3A. Der Patient hat hohes Fieber und einen stark erhöhten Puls.“

Diese kurze Zusammenfassung gibt dem Gegenüber sofort einen Überblick und macht klar, worum es geht.

B – Background (Hintergrund)

Im zweiten Schritt werden wichtige Hintergrundinformationen mitgeteilt. Dazu zählen Vorerkrankungen, der Grund für die aktuelle Behandlung, bisherige Therapien und Besonderheiten.

Beispiel:
„Herr Meier ist seit drei Tagen auf Station wegen einer Lungenentzündung. Er hat eine COPD und ist insulinpflichtiger Diabetiker.“

Dieser Hintergrund ist wichtig, um die aktuelle Situation richtig einordnen zu können.

A – Assessment (Einschätzung)

Nun folgt die eigene Einschätzung der Lage. Die Pflegekraft beschreibt, was sie beobachtet hat, welche Verdachtsdiagnose sie hat oder welche Veränderung im Zustand des Patienten auffällig ist.

Beispiel:
„Ich glaube, der Zustand hat sich verschlechtert. Der Patient wirkt verwirrt und zeigt Atemnot trotz Sauerstoffgabe.“

Pflegende sind oft die ersten, die Veränderungen bemerken. Ihre fachliche Einschätzung hilft, schnell Entscheidungen zu treffen.

R – Recommendation (Empfehlung)

Zum Schluss wird eine konkrete Empfehlung oder ein Wunsch geäußert, z.  B. eine ärztliche Visite, eine Untersuchung oder eine Therapieanpassung.

Beispiel:
„Ich empfehle, dass Sie sich den Patienten zeitnah anschauen. Möglicherweise braucht er eine antibiotische Therapieanpassung.“

Eine klare Handlungsaufforderung spart Zeit und stellt sicher, dass wichtige Maßnahmen nicht übersehen werden. 

Das SBAR-Schema sorgt für eine klare, strukturierte und zielgerichtete Kommunikation im Pflegealltag. Es hilft, Informationen übersichtlich zu übermitteln, Missverständnisse zu vermeiden und schneller die richtigen Entscheidungen zu treffen. Besonders in stressigen oder kritischen Situationen – wie bei Übergaben, Notfällen oder ärztlichen Rücksprachen – ist SBAR ein wertvolles Hilfsmittel. Für Pflegende in Ausbildung ist es sinnvoll, dieses Modell frühzeitig kennenzulernen und regelmäßig zu üben, um die eigene Kommunikationskompetenz zu stärken.