Buch zum Kurs

2. Medizinische Diagnostik & Therapie bei Frakturen

2.2. Frakturen und ihre Klassifikation

Einführung

Frakturen entstehen durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung, wenn die Elastizitätsgrenze des Knochens überschritten wird.


Definition einer Fraktur

Eine Fraktur bedeutet, dass ein Knochen gebrochen ist, was zu getrennten Knochenstücken (Fragmenten) führt, die durch einen Bruchspalt  getrennt sind.


Erkennung von Frakturen

Frakturen können anhand von sicheren und unsicheren Zeichen erkannt werden:

  • Unsichere Zeichen: Schmerzen, Schwellungen, Hämatombildung/Rötung, Erwärmung, Bewegungseinschränkungen.

  • Sichere Zeichen: Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit, Krepitation (Knochenreiben), sichtbare Knochenteile bei offenen Frakturen.

Entstehungsarten von Frakturen

  1. Direkte Frakturen: Entstehen durch äußere Gewalteinwirkung (z. B. Rippenbruch durch einen Schlag).

  2. Indirekte Frakturen: Entstehen durch Biegung, Drehung oder Stauchung (z. B. Oberarmfraktur durch Stauchung bei einem Sturz).

  3. Pathologische Frakturen: Entstehen ohne Gewalteinwirkung aufgrund von Krankheiten wie Osteoporose oder Tumoren, wenn die Knochenstruktur sich dadurch verändert hat.

  4. Ermüdungsfrakturen: Treten ohne akutes Trauma auf, oft durch chronische Überlastung (z. B. bei Marathonläufern).


Klassifikation der Frakturen

  • Verlauf der Frakturlinie: Quer-, Längs-, Schräg-, Spiral-, T- und Y-Frakturen, Flacke Fracture (Absprengung im Bereich einer Gelenkfläche) und Grünholzfraktur (Knochenhaut (Periost) bleibt teilweise erhalten).

 

  • Anzahl der Fragmente:

 

          • Einfache Fraktur (2 Fragmente)
          • Mehrfragmentfraktur (3 – 6 Fragmente)
          • Stückfraktur (2 Knochenenden mit intaktem Stück dazwischen)
          • Trümmerfraktur (viele kleine Bruchstücke)

  • Dislokationsform:
      • Nichtdislozierte Frakturen: Bruchstücke bleiben in anatomischer Ausrichtung.
      • Dislozierte Frakturen: Bruchstücke verschieben sich.

  • Hautbeteiligung:

          • Geschlossene Fraktur (Haut intakt)
          • Offene Fraktur (Haut betroffen, erhöhtes Infektionsrisiko).



 

Begleitverletzungen und Komplikationen

Frakturen können umliegende Strukturen wie Haut, Muskeln, Sehnen, Nerven und Gefäße schädigen. Besonders gefährlich sind Verletzungen von Nerven und Gefäßen, da sie ernsthafte Folgen haben können. Zudem kann es zu erheblichen Blutverlusten kommen, was einen Kreislaufschock zur Folge haben kann.

Frakturen sind also komplexe Verletzungen, die eine sorgfältige Diagnostik und Behandlung erfordern. Ein Verständnis der verschiedenen Frakturtypen und ihrer möglichen Komplikationen ist entscheidend für die medizinische Versorgung und Pflege. Sensibilität für die Signale des Körpers ist ein zentrales Element in der Medizin und Pflege.